02.04.2025rss_feed

Versorgungsbilanz Fleisch: Schweinefleischverzehr stabilisiert sich

Header  Fleischkonsum Fleischversorgung

Nach vorläufigen Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) lag der rechnerische Fleischverzehr in Deutschland 2024 mit durchschnittlich 53,2 Kilogramm pro Person leicht über dem der beiden Vorjahre (2022: 52,8 sowie 2023: 52,9 Kilogramm pro Person). Während insbesondere Hühnerfleisch in der Gunst der Konsumenten zulegen konnte, entwickelte sich der Schweinefleischverzehr pro Kopf nahezu stabil.

 

Wie aus der Versorgungsbilanz Fleisch 2024 hervorgeht, lag Schweinefleisch beim Verzehr mit 28,4 Kilogramm je Einwohner erneut vorn, jedoch mit rund 100 Gramm weniger als 2023. Die Beliebtheit von Geflügelfleisch stieg erneut und lag mit einem Plus von 500 Gramm bei 13,6 Kilogramm pro Kopf. Der Zuwachs geht insbesondere auf Hühnerfleisch zurück. Der Verzehr von Rind- und Kalbfleisch blieb trotz gestiegener Verbraucherpreise mit 9,3 Kilogramm pro Person stabil.


Beim Verzehr lag Schweinefleisch mit 28,4 Kilogramm je Einwohner weiterhin vorn, jedoch mit rund 100 Gramm weniger als 2023 ©BLE

Beim Verzehr lag Schweinefleisch mit 28,4 Kilogramm je Einwohner weiterhin vorn, jedoch mit rund 100 Gramm weniger als 2023 ©BLE

Aussage zum Trend beim Verzehr noch nicht möglich

Insgesamt belief sich der Fleischverzehr 2024 auf 4,44 Millionen Tonnen, das waren 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie sich dies weiterentwickelt, bleibt abzuwarten, sagt Dr. Josef Goos, Leiter des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL). Eine Rückkehr zu Verzehrmengen früherer Jahre erscheint vor dem Hintergrund des Trends zur flexitarischen Ernährung unwahrscheinlich. Aus statistischer Sicht ist zudem zu beachten, dass sich der ausgewiesene rechnerische Fleischverzehr je Kopf ab 2022 auf aktualisierte Bevölkerungszahlen bezieht und derzeit ein Vergleich mit Vorjahren nicht möglich ist. Sobald die Rückrechnung der Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus 2022 vorliegt, können wir den Pro-Kopf-Verzehr zehn Jahre rückwirkend berechnen und Aussagen zum langfristigen Trend treffen, ergänzt Goos.

 

Gebremster Preisanstieg durch höhere Produktion

Der leicht gestiegene Fleischverzehr wurde 2024 dadurch begünstigt, dass sich der Verbraucherpreisanstieg laut Statistischem Bundesamt mit 1,3 Prozent gegenüber 2023 in Grenzen hielt. Geflügelfleisch wurde dabei im Schnitt sogar preiswerter angeboten. Zu dem stabilen Preisniveau trug auch die erstmals seit langem wieder gestiegene Nettofleischproduktion in Deutschland bei, die um 1,4 Prozent auf 7,3 Millionen Tonnen wuchs. Überdurchschnittlich legte hierbei die Nettoerzeugung von Schweinefleisch mit 1,9 Prozent zu, gefolgt von Hühnerfleisch mit 1,3 Prozent sowie Rind- und Kalbfleisch mit 1,1 Prozent. Bei Puten, Enten, Gänsen sowie Schafen und Ziegen fiel die Nettoproduktion dagegen geringer als 2023 aus.

 

Weniger Fleisch international gehandelt

Insgesamt schwächte sich der deutsche Außenhandel mit Fleisch und Fleischwaren 2024 im Vorjahresvergleich ab. Bei der Einfuhr war laut vorläufigen Daten ein Minus von 1,4 Prozent auf 3,14 Millionen Tonnen zu verzeichnen. Insbesondere wurde weniger Schweine- und Rindfleisch importiert; dagegen legte die Einfuhr von Geflügelfleisch zu. Bei der Ausfuhr fiel das Minus mit 0,3 Prozent auf 4,39 Millionen Tonnen geringer aus. Vor allem die deutlich gestiegenen Drittlandexporte von Schweinefleisch glichen den Exportrückgang insgesamt bei anderen Fleischarten aus.

 

Selbstversorgungsgrad um einen Prozentpunkt gestiegen

Weil die heimische Fleischerzeugung 2024 etwas stärker zunahm als der Verbrauch, erhöhte sich der Selbstversorgungsgrad von 119,5 Prozent (2023) auf 120,5 Prozent im Jahr 2024. Bei Schweinefleisch lag der Selbstversorgungsgrad bei 134,6 Prozent, bei Rind- und Kalbfleisch waren es 108,2 Prozent und bei Geflügelfleisch 100,4 Prozent. Bei gefragten Teilstücken, beispielsweise Filet oder Kotelett vom Schwein, wird der durchschnittliche Selbstversorgungsgrad hingegen deutlich unterschritten.

 

Die ISN meint:

Zum Pro-Kopf-Verzehr lassen sich aufgrund der noch nicht verfügbaren Bevölkerungszahlen auf Grundlage des Zensus 2022 derzeit zwar keine langjährigen Vergleiche anstellen, aber beim Blick auf den Gesamtverzehr an Schweinefleisch in Deutschland lässt sich eine erfreuliche Entwicklung feststellen. Nach teilweise deutlichen Rückgängen in den vergangenen Jahren, wurden für 2023 und 2024 in etwa stabile Werte ermittelt. Diese Aussage wird tendenziell auch durch Auswertungen der Einkäufe privater Haushalte bestätigt. Damit ist und bleibt Schweinefleisch die mit Abstand beliebteste Fleischart der Deutschen. Vor dem Hintergrund, dass sich auf der Angebotsseite keine Produktionsausweitung andeutet, ist das eine gute Grundlage für ein nachhaltig auskömmliches Erzeugerpreisniveau.


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