14.02.2025rss_feed

ISN-Mitgliederversammlung 2025 – Teil 2: Haltungsvorgaben und Klimaschutz praktikabel vereinbaren

ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack lockte die Diskutanten aus der Reserve ©ISN

ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack lockte die Diskutanten aus der Reserve ©ISN

Im zweiten Teil der Mitgliederversammlung der ISN am Montag, 10. Februar 2025 in Osnabrück, wurde vor über 300 ISN-Mitgliedern und Gästen neben dem großem Thema Tierseuchenbekämpfung über die zukünftige Entwicklung der Schweinehaltung in Bezug auf Haltungsvorgaben diskutiert. Das Thema Nachhaltigkeit und der CO2-Fußabdruck rundeten die Diskussion ab.

 

Nach dem ersten Themenblock der Podiumsdiskussion, dem Tierseuchenrisiko, eröffnete Dr. Torsten Staack das zweite große Thema, den Weg zu höheren Haltungsformstufen, mit einem kurzen Impuls. Dabei zog er Vergleiche mit Stuttgart 21 oder dem Berliner Flughafen und äußerte großes Unverständnis, wieso bei der Einführung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetz nicht von vorherein die Wirtschaft miteinbezogen wurde. Was die weitere Entwicklung der Haltungsstufen betreffe, sei es nicht leicht eine Prognose abzugeben, doch aus Sicht der ISN sei in Richtung 2030 davon auszugehen, dass die höheren Haltungsstufen zwar an Bedeutung gewinnen, aber weit davon entfernt sind, den Hauptanteil am Markt auszumachen.


Volles Haus: Ca. 300 ISN-Mitglieder und Gäste folgten einer spannenden Podiumsdiskussion © ISN

Volles Haus: Ca. 300 ISN-Mitglieder und Gäste folgten einer spannenden Podiumsdiskussion © ISN

Die Einschätzung teilte auch der ITW-Geschäftsführer Robert Römer. Auf Nachfrage erklärte er: Es zeigt sich, dass wir im Schweinebereich eine deutliche Verschiebung im Lebensmitteleinzelhandel von Stufe 1 zu Stufe 2 haben. Man sehe zwar auch eine Entwicklung in Richtung der Stufen 3 und 4, aber diese hingen mit deutlichen Herausforderungen zusammen. Hier nannte Römer die fehlende Planungssicherheit und die hohen Auflagen beim Bundesförderprogramm. Dazu gebe es eine Entwicklung im Markt, die aktiv begleitet werden müsse. Am Markt vorbei Dinge vorzugeben, wird nicht funktionieren, betonte Römer.

Zum Tierhaltungskennzeichnungsgesetz erklärte Römer, es sei in der aktuellen Form nicht umsetzbar. Die Systeme der Wirtschaft müssten integriert und genutzt werden und nichts Neues geschaffen werden. Das, was wird haben, muss vernünftig genutzt werden und auch wirklich zur Differenzierung im Markt führen, forderte Römer.

 

Ob die REWE Group vor diesem Hintergrund an ihrem Ziel festhalte, bis 2030 100% Frischfleisch aus höheren Haltungsstufen anbieten zu wollen, beantwortete Dr. Carolin Winkel mit einem klaren ja. Uns ist natürlich klar, dass wir von Landwirten nicht verlangen können, dass sie ihre Ställe umbauen, ohne dass gewisse Förderungen dabei unterstützen. Wir haben zwar feste Aufschläge auf die Notierung, die wir bei der Abnahme zahlen, aber nichtsdestotrotz, ist uns klar, dass das nicht ausreicht, um den kompletten Stall umzubauen. Man sei aber offen dafür, in Regionalprogrammen entsprechende Vertragssysteme auszuweiten.

 


Auf dem Podium: Dr. Jörg Baumgarte, Bernhard Oeller, Robert Römer, Dr. Carolin Winkel ©ISN

Auf dem Podium: Dr. Jörg Baumgarte, Bernhard Oeller, Robert Römer, Dr. Carolin Winkel ©ISN

Klimaschutz rückt in den Vordergrund

Zu Beginn des dritten Blocks erläuterte Dr. Torsten Staack, dass der Klimaschutz neben dem Tierschutz eine zunehmend größere Rolle einnimmt und gerade der CO2-Fußabdruck in Zukunft an Bedeutung gewinne. Zwar sei man unter der Koordination von QS auf dem Weg zu einer Branchenlösung, eine entscheidende Frage sei dabei aber noch offen: die finanzielle Honorierung der Tierhalter, wenn sie entsprechende Daten liefern.

Warum das so ist, wollten die Moderatoren genau wissen und hakten zunächst bei Dr. Carolin Winkel nach. Wir haben unsere Klimaziele, die wir erreichen müssen und auch wollen. Landwirtschaftliche Betriebe fallen bei der REWE Group in den sogenannten Scope 3. Darunter werden die Emissionen verstanden, die nicht vom Unternehmen direkt, sondern bei den Lieferanten entstehen. Somit ist es für uns als Handelshaus relevant, dass entlang der Wertschöpfungskette der CO2-Fußabdruck gesenkt wird, so Winkel. Die REWE Group hat daher einen Fonds ins Leben gerufen, aus dem Maßnahmen zur Emissionsreduzierung entlohnt werden sollen.

Auch größere Schlachtbetriebe sind verpflichtet, eine Nachhaltigkeitsberichterstattung zu machen, erläuterte Robert Römer. Diese könnten auch irgendwann die Werte ihrer Lieferanten anfragen. Daneben gebe es zwar noch kleinere und mittelständische Schlachtunternehmen, die nicht unter diese Pflicht fallen. Trotzdem sollten auch Landwirte ein Eigeninteresse daran haben, sich im Hinblick auf Nachhaltigkeit zu entwickeln, um für Kredite und Versicherungen entsprechen Nachweise zu haben.

Bernhard Oeller bestärkte die Landwirte, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Auch in seinem mittelständischen Unternehmen werde schon heute der CO2-Fußabdruck aller Werke ermittelt. Das werde nicht nur vom Handel, sondern auch von Investoren angefragt. Wir habe vor drei Jahren auch gedacht, muss man denn sowas machen. Aber wir haben Gott sei Dank diesen Weg eingeschlagen, es war kein Fehler. Auch bei den Landwirten würden irgendwann die Schlacht- und Zerlegebetriebe ankommen und fragen, wie der Stand ist und welche Maßnahmen umgesetzt würden. Zwar werde ein kleinerer CO2-Fußabdruck noch nicht entlohnt, aber in der Zukunft werde es sich rechnen.

 

Fazit:

Der Weg zu höheren Haltungsstufen in der Schweinehaltung wird von der Seite des Lebensmitteleinzelhandels weiterverfolgt. Die höheren Haltungsstufen sind aber weit davon entfernt, den Hauptteil der Erzeugung auszumachen. Die staatliche Haltungskennzeichnung muss auf den Kopf gestellt und auf das Modell der Wirtschaft zur Kennzeichnung ausgerichtet werden.

Die Nachhaltigkeitsthemen – insbesondere der CO2-Fußabdruck - rücken neben den Haltungsfragen in der ganzen Wertschöpfungskette weiter in den Fokus. Schweinehalter, die zur Verbesserung beitragen und entsprechende Daten liefern, müssen entsprechend finanziell honoriert werden.

ISN-Mitgliederversammlung 2025 – Teil 1: Schadensminimierung im Tierseuchenfall - Ohne Banderolenstempel und mit abgestimmtem Vorgehen

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